Wahrnehmung vs. Realität – Warum ist die Welt nicht immer rosarot?

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Kennst du diese Situationen? Du bist frisch verliebt und alles fühlt sich ganz leicht an – rosarot eben? Ein Jahr später wunderst du dich, warum die eben geführte Diskussion ob einer Nichtigkeit zu einem kleinen Streit ausgeartet ist. Und das, obwohl ihr gefühlt doch eigentlich einer Meinung seid?! Habt ihr nur aneinander vorbei gesprochen?

Nun, mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit ist das so eine Sache. Denn unsere Umwelt nehmen wir nur durch sogenannte Filter wahr. Und dies hat weitreichende Folgen für unsere Kommunikation, das Lernen und vor allem auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Frage, wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen, ist immer eine subjektive. Denn alle Informationen, die wir aufnehmen, fließen durch unsere individuellen Wahrnehmungs-Filter. Und diese sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Darstellung der Filter zwischen Realität und Wahrnehmung

Neben unserer persönlichen Vergangenheit (Erfahrung), unserer Erwartungshaltung und der jeweils aktuellen Hormonausschüttung (bspw. Glücks- oder Stresshormone) spielt der Lerntyp eine entscheidende Rolle, welche Informationen wir wie aufnehmen.

Schauen wir uns diese Filter ein wenig genauer an, um zu verstehen, welchen positiven und negativen Einfluss sie auf uns haben (können).

Erfahrung – Liest du noch oder ergänzt du schon?

Dass Filter nicht unbedingt schlecht sein müssen, sehen wir, wenn wir uns den Erfahrungsfilter genauer anschauen. Aufgrund unserer bereits gemachten Erfahrungen kann unser Gehirn in bestimmten Situationen unterbewusst Informationen ergänzen. Und dies ist äußerst hilfreich, läuft das unterbewusste Ergänzen doch 400 bis 2000 mal schneller ab, als bewusstes Denken.

Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht dieses unterbewusste Vervollständigen eindrucksvoll. Denn ich wette, du kannst den nachfolgenden Text ohne größere Schwierigkeiten lesen?!

Beispiel für automatisches Vervollständigen durch unser Gehirn

Unser Gehirn vervollständigt die gelesenen Wörter automatisch, also nur auf Basis des ersten und letzten Buchstabens. Nimmt man sich allerdings einen wesentlich schwierigeren Text, der beispielsweise viele Fachbegriffe enthält, dann kommt unser Gehirn an seine Grenzen und der Text ist nicht mehr lesbar. Genau diese Grenze ist das Ende unserer bisherigen Erfahrungen. Die oben gesehene „durchgewirbelte“ Schreibweise funktioniert entsprechend nur mit Wörtern, die wir gut kennen und bereits verinnerlicht haben.

Erwartung – Amerikanisches Bier und das Reinheitsgebot

Auch den Wahrnehmungsfilter „Erwartung“ möchte ich an einem Experiment, das der US amerikanische Wissenschaftler Dan Ariely durchführte, erklären. Er konnte zeigen, dass unsere Erwartungen unsere Wahrnehmung beeinflusst.

Um dies zu beweisen, führte er ein Experiment durch, an dem ich auch sehr gerne teilgenommen hätte 😉 Die Probanden mussten ein normales Bier und eines, das etwas Balsamico Essig enthielt, testen und bewerten. Eine Gruppe wusste um die „Verfeinerung“, die andere nicht.

Dan Ariely erklärt sein Experiment

Wenn die Probanden nichts von dem Essig wussten, bevorzugten sie das Bier mit dem Essig-Zusatz. Zum genau umgedrehten Ergebnis kam die Gruppe, die vorab über den Essig informiert wurde. Sie wählten in der Mehrzahl das „reine“ Bier. Die Erwartung hat in diesem Beispiel den tatsächlichen Geschmack, also die Wahrnehmung des Bieres, beeinflusst. (Ein Klick auf das Bild führt zum Video, in dem Dan Ariely das Experiment in englischer Sprache kurz zusammenfasst (1:53 – 2:47 Min). Wer tiefergehend einsteigen möchte, der kann die zugehörige Forschungsarbeit hier herunterladen.)

Lerntyp – Durchlässige Sinne!

Wir haben bereits gesehen, dass der Lerntyp „sinn“bildlich für die von dir bevorzugte Kombination von Sinneskanälen steht. Die Frage ist also, nimmst du neue Informationen am liebsten über die Augen oder Ohren auf oder nutzt du doch deine Hände, um etwas aktiv zu machen?

Nehmen wir nun einmal an, der Lerntypentest würde zeigen, dass du ein „Hörer“ bist und dein entsprechend bevorzugter Sinneskanal deine Ohren sind. Dein Wahrnehmungsfilter ist dann besonders durchlässig für gehörte Informationen und auch unser Gehirn wird die so wahrgenommenen Inhalte eher speichern.

Lese-Tipp! In der Blog-Reihe „So speichert dein Gehirn neue Worte“ gibt es weitergehende Erklärungen zur Funktionsweise den Gehirns und wie wir neue Informationen verarbeiten.

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Nun ist gerade schulisches und universitäres Lernen in der Regel eine Kommunikation zwischen Lehrkraft/ Dozent und Schüler/ Student. Wir haben hier also einen Sender und einen Empfänger und beide haben ihren eigenen Lerntyp. Dies gilt es, auf beiden Seiten zu berücksichtigen. Geschieht dies, so zeigen Hawk und Shah in ihrer 2007 erschienen Studie, dass die Berücksichtigung des jeweiligen Lerntyps 5 positive Effekte mit sich bringen kann:

  • Bessere schulische und akademische Leistungen (Noten)
  • Größere Zufriedenheit der Schüler/ Studenten
  • Tieferes Verständnis des neuen Wissens
  • Langfristiges Merken des Gelernten
  • Verbesserung der Fähigkeit des eigenständigen Lernens

Das Beispiel zeigt, dass es bei dem Konzept des „Lern“typs über das eigentliche Lernen hinaus geht und es ebenfalls hilft, die zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern. Das klassische „Aneinander-vorbei-Reden“ ist ein Beispiel dafür, dass (neben dem Erfahrungs-Filter) häufig durch den Lerntypen-Filter bestimmt wird. Kennst du deinen eigenen Lerntyp und den deines Gegenübers kannst du so entstehende Missverständnisse von vornherein umgehen.

Hormone – Stress oder Glück? Das ist hier die Frage

Den Hormon-Filter schauen wir uns nun ganz unwissenschaftlich an, denn wir alle kennen die zwei wichtigsten Ausprägungen aus eigener Erfahrung. Wie schön rosarot kann die Welt doch sein, wenn wir frisch verliebt sind. Nichts kann uns etwas anhaben und kaum etwas mag uns zu stressen, sind wir doch voller schöner Empfindungen dank vieler ausgeschütteter Glückshormone. Ein wirklich schöner Zustand, der allerdings die Wahrnehmung der Wirklichkeit zuweilen beeinflusst.

Ein wenig unschöner ist der bereits angesprochene Stress, denn dieser sorgt für die Ausschüttung entsprechender Stresshormone. Sicherten sie in der Vergangenheit den Fortbestand unserer Gattung durch die Bereitstellung von Adrenalin in unseren Muskeln, um vor Gefahren zu fliehen, so sind genau diese Stresshormone in Prüfungssituationen unser Feind.

So nehmen wir Prüfungsaufgaben als besonders schwer wahr, einzig und allein, da der Zugang zu unserem Wissen wie blockiert scheint. Stress und Angst können unsere Wahrnehmung je nach Situation positiv oder negativ beeinflussen. Glücklicherweise gibt es aber Techniken, die man in diesen Situationen anwenden kann, um beispielsweise einen Black-Out auflösen zu können.

Lese-Tipp! Stress erkennen und vor allem bitte nicht mitlernen! Tipps und Trick im Beitrag „Lernstress erkennen und verstehen

Und genau dafür gibt es diesen Blog und wir werden hier immer wieder verschiedene hilfreiche Methoden vorstellen. Wenn dies auf dein Interesse stößt, dann kannst du nebenstehend den Feed abonnieren oder dich für unseren Newsletter eintragen und du erhältst alle Artikel automatisch.

Ausblick – Deine Fragen hier im Blog

Unser Wunsch ist es, diesen Blog als eine Art kostenloses Coaching zu gestalten. Dementsprechend möchten wir auch wirkliche Praxis-Probleme angehen und Lösungen anbieten. Aus diesem Grund freuen wir uns immer sehr, wenn du uns deine Fragen oder Anregungen sendest, die wir dann in einem Blog-Artikel besprechen. Gerne kannst du dazu den untenstehenden Kommentar-Bereich nutzen oder uns direkt kontaktieren.

Vorab vielen Dank für dein Mitwirken!

 

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3 thoughts on “Wahrnehmung vs. Realität – Warum ist die Welt nicht immer rosarot?

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